Sie befinden sich hier: Home > Schule > Unterwegs > International

Anna Abroad - St.-Anna-Schüler/innen im Ausland

Sarah Heilemann im Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) auf Vancouver Island, Kanada

Es ist noch kein halbes Jahr her, dass ich die St-Anna Schule mit dem Abitur verlassen habe, aber trotzdem hat sich mein Leben seitdem völlig verändert. Ich arbeite und lebe seit Juli 2015 in Kanada, in einer heilpädagogischen Einrichtung mit behinderten Menschen. Die Glenora Farm befindet sich auf Vancouver Island ganz im Südwesten Kanadas und ich möchte euch an St. Anna ein bisschen davon erzählen, wie es sich hier lebt... 

Der gesamte 12. Jahrgang steht schließlich genau jetzt vor Entscheidungen, die ich selber letztes Jahr treffen musste; diese Frage lautet: Möchte ich studieren, ein Auslandsjahr absolvieren oder eine Ausbildung beginnen? Weitere Fragen schließen sich dann unmittelbar an: Welchen Beruf will ich einmal ausüben? Geht es mir mehr ums Geldverdienen oder traue ich mich, meinen Stärken zu vertrauen und einen weniger profitorientierten Weg einzuschlagen?

Wie ihr jetzt schon wisst, habe ich mich für das Auslandsjahr entschieden. Mir war es wichtig, herausgefordert zu werden, mein Englisch zu verbessern und ich wollte sozial arbeiten. Dass es dann Kanada geworden ist, war eher eine spontane Entscheidung; ich hatte letztendlich die Wahl zwischen Italien und Kanada, denn aus diesen Ländern haben sich als erstes Organisationen zurückgemeldet, bei denen ich mich beworben hatte. Wie alles begonnen und wie meine Bewerbung funktioniert hat, könnt ihr auf meinem Blog ( kanada.sarah-heilemann.de ) nachlesen. An dieser Stelle möchte ich euch von meiner jetzigen Situation erzählen.

Momentan lebe ich mit drei „companions“ (so werden hier die zu betreuenden Menschen genannt), mit Aljona (einer Studentin aus Freiburg) und den Hauseltern plus ihren zwei Kindern zusammen. Unser Haus ist eines der vier Häuser auf der Farm, in denen "companions" wohnen. Außer mir gibt es sechs andere deutsche Freiwillige und auch von den Hauseltern sind einige aus Deutschland. Abgesehen von den behinderten Menschen gibt es hier tatsächlich kaum echte Kanadier.
Mein Tag beginnt um 7 Uhr morgens. Ich wecke Lisi, eine der drei Pflegebedürftigen, wasche sie und ziehe sie an oder mache Frühstück. Obwohl ich am Anfang sehr viel Respekt vor der Pflege hatte, ist dies einer der Bestandteile des Lebens, der mir nun am wenigsten ausmacht. Ich genieße die Eins-zu-Eins-Betreuung genau wie Lisi und lerne genau so viel über mich wie über andere Menschen. Okay, natürlich gibt es auch Aspekte, die jedes Mal ein bisschen Überwindung kosten, jedoch kann man auch diese Erfahrungen, spätestens wenn man einmal selbst Kinder hat, bestimmt gut gebrauchen. Um 8 Uhr frühstücken wir, um 9 Uhr ist das Morgenmeeting. Von dort aus gehen wir in die verschiedenen Workshops. Jetzt im Winter verlagert sich die Arbeit vom Garten in die Häuser. Ich arbeite (und liebe) die Weberei, andere haben nicht so viel Glück und ziehen Kerzen, filzen oder trocknen Kräuter und stellen Tee und Gewürzmischungen her. Mittags gibt es Lunch, danach beginnt die Mittagspause und eine zweite Workshop-Einheit schließt sich an. Ich habe sehr wenig Freizeit und komme selten von der Farm weg. Nur dienstags habe ich wirklich frei, darf mit dem Auto die Insel erkunden und machen, was ich will. Außerdem gibt es monatlich ein Weekend-Off, also ein freies Wochenende, an welchem ich immer Ausflüge mit anderen Co- Workern unternehme. Bis jetzt war ich zweimal in Vancouver, habe Whistler besucht und war in Tofino surfen. Ansonsten stand immer die Natur im Fokus, welche hier wirklich mehr hergibt als die Städte.

Nach vier Monaten hier habe ich meine rosarote Brille verloren und sehe die Community kritischer als noch am Anfang. Ein Kritikpunkt, der besonders mich persönlich betrifft, ist, dass hier Menschen als Hauseltern aufgenommen werden, welche selbst keine Heilerziehungspfleger sind und auch kaum Erfahrung in diesem Bereich haben. Es kann sich quasi jeder bewerben und nach einem kurzen Probeaufenthalt wird bestimmt: Können wir mit diesen Menschen arbeiten und leben oder nicht? Meine Mitbewohnerin (welche schon sehr lange mit behinderten Menschen arbeitet) bringt mir die meisten Dinge bei, sie hinterfragt Umgangsweisen, die sich hier eingespielt haben, und sieht in jedem companion Potenzial, sich weiter zu entwickeln.

Natürlich gibt es noch sehr viele weitere Dinge, die mich beschäftigen, die mir nicht gefallen und die mich ärgern. Manchmal frage ich mich sogar, worum es hier wirklich geht: Geht es um die Farm oder um die pflegebedürftigen Menschen?
Jetzt möchte ich aber lieber auf die positiven Dinge eingehen. Trotz aller Schwierigkeiten macht es sehr viel Spaß, auf der Farm zu leben. Kreative Menschen haben in Camphill-Einrichtungen immer etwas zu tun. Ich habe die Karte für unseren Weihnachts-Basar gezeichnet und werde hoffentlich noch die neue Homepage der Farm mitgestalten. Man lernt sehr unterschiedliche Menschen aus aller Welt kennen und es ist unglaublich spannend zu erfahren, warum alle diese Menschen hier arbeiten, was sie antreibt und wie sie denken. Ich hoffe, das erlebt ihr auch nach eurem Schulleben, dass ihr neue Gedanken kennenlernt, ihr weiter denkt als bisher und andere Meinungen akzeptieren lernt. Besonders durch die Probleme in meinem Haus kann ich mich weiter entwickeln.
An den anderen Häusern kann ich außerdem sehen, wie gut das Konzept der Lebensgemeinschaft sein kann. Im familiären Umfeld kann auf jeden individuell eingegangen werden; dies ist in anderen Pflegeeinrichtungen nicht möglich. Ich bin erfüllt von der Arbeit und merke, dass ich wirklich gebraucht werde. Ohne die Freiwilligen wäre ein Camphill nicht möglich.

Ich hoffe, dass sich auch einige Schüler der jetzigen Oberstufe für ein freiwilliges soziales Jahr entscheiden, denn ich kann versprechen: Ihr werdet nicht nur selbst Erfahrungen für´s Leben machen, sondern auch andere Menschen in ihrem Leben positiv beeinflussen.
Es grüßt auch herzlich
Sarah Heilemann (Vancouver Island, Kanada)

SarahH2.jpg

Die Fotos zeigen `mein Haus´ auf Vancouvcer Island, meine Arbeit mit den von mir zu betreuenden Jugendlichen und natürlich auch den Spaß, den wir in unserer Freizeit haben, wenn wir in der faszinierenden Natur Kanadas unterwegs sind.

SarahH3.jpg

SarahH3.jpg

SarahH4.JPG

SarahH4.JPG

  1. Image 1
  2. Image 2
  3. Image 3
Untitled

Respect copyright!
















St.-Anna-Schule Wuppertal • Erzbischöfliches Gymnasium für Jungen und Mädchen
Dorotheenstraße 11-19 • 42105 Wuppertal • Tel. 0202-429650 • Fax 0202-4296518 • E-Mail info@st-anna.de
copyright © 2015 St.-Anna-Schule Wuppertal • phpwcms Content Management System